Die Fußball WM politisch gesehen

 

Mädchenfußball in Honduras

In vielen armen Ländern der Welt ist Straßenfußball eine beliebte Freizeitbeschäftigung von Kindern. So auch in dem mittelamerikanischen Land Honduras. Straßenfußball kostet kein Geld, ist überall spielbar und lässt die Kinder ihren oft traurigen Alltag vergessen. Meist sind es Jungen, die hinter dem Ball herjagen. Doch in Honduras macht auch ein Mädchen-Fußballteam von sich reden.

Egal wo und egal wann, selbst mittags, bei stechender Hitze, sieht man überall in Honduras Menschen kicken. Als „Bola“, Ball, wird genommen, womit geschossen werden kann: zusammengewirkte Lappen, zertretene Alubüchsen oder kaputte Bälle. Hauptsache, es kann gebolzt werden. Fußball ist Massensport – von klein auf.

Die 16-jährige Wendy wohnt in einem Armenviertel am Rande der Hauptstadt Tegucigalpa. Dort hat sie schon als kleines Mädchen mit dem Fußballspielen angefangen. Jede noch so kleine Freifläche erklärten sie und die Kinder der Nachbarschaft dafür zur „cancha“, zum Spielfeld. Sogar kleine Turniere mit Einsatz und Gewinnen organisierten sie auf der Straße.

Der Alltag in Wendys Stadtteil ist hart. Auf den staubigen Wegen zwischen den ärmlichen Hütten verbringen die Kinder ihr Leben zwischen Müll, halbverhungerten Hunden und stinkenden Autos. Schlägereien, Misshandlung, Vergewaltigung, Totschlag und Mord gehören zum Alltag der Kinder.

Wendys Vater kümmert sich nicht um sie, der älteste Bruder sitzt im Gefängnis und ihr Lieblingsbruder wurde umgebracht. Sie lebt mit ihrer Mutter, zwei Geschwistern und ihrer kleinen Nichte in einer sehr einfachen Unterkunft ohne Wasseranschluss. Wendy muss zu Hause tüchtig mit anpacken, um ihre Mutter zu unterstützen. Und es gibt trotzdem viele Tage, an denen die Familie nichts zu essen hat.

Beim Fußball vieles vergessen
Wenn Wendy Fußball spielt, lebt sie auf. Ihre Balltechnik ist hervorragend und ihre Dribblings sind gefürchtet. Ihr Team gehört zu einem sozialen Projekt, das sich um die Kinder und Jugendlichen der Armenviertel kümmert. Sie nennen sich die „Tiger von Compartir”

Die „Tiger-Mädchen“ haben es mittlerweile bis in die Fußball-Stadtliga geschafft. Einmal holten sie den Titel der Stadtmeisterschaft. Es wurde schon dunkel, als sie endlich nach Verlängerung beim Elfmeterschiessen gewannen. Die Siegesfeier ging bis in die Nacht.

Aber auch in der Liga sind die Bedingungen für die Fußballerinnen schlecht. Die steinig-staubigen Plätze haben meist weder Dusche noch Toilette, oft nicht mal einen Wasserhahn. Als „Dusche“ bringen viele Mädchen Wasser in Plastikflaschen mit, damit sie sich wenigstens ein bisschen den Staub abwaschen können. Auch umziehen müssen die Mädchen sich im Freien.

Doch wenn der Ball erst einmal rollt, ist das Wendy und den anderen Mädchen egal. Fußball ist ein ganz wichtiger Punkt in ihrem Leben – auch wenn die Männer in Honduras noch so sehr darüber lästern.

Über Mädchenfußball in Honduras gibt es einen sehr schönen Film. Er heißt „Adelante Muchachas“. Vier hondurenische Mädchen erzählen in dem Film von ihrer gemeinsamen Leidenschaft rund um den Ball. Die einen wachsen in Armut auf der Straße auf, die anderen luxuriös und wohlbehütet. Nur auf dem Spielfeld treffen sie aufeinander. Den Film kann man ausleihen und in der Schule angucken.
Mehr dazu hier: www.adelante-muchachas.de

 

Autor: Erika Harzer
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